Blühende (Service-)Wüste

Der nächste Tag startete frostig. 35 Grad verriet uns Björnis Thermometer – leider in Fahrenheit. Bei umgerechnet 1,5 Grad Celsius beschloss Manuel die tägliche Dusche mit dem genau so kalten Wasser großzügig ausfallen zu lassen. Meine neurotische Panik vor fettigen Haaren brachte mich jedoch zu wahren Heldentaten. Eine spätere nicht ganz so kalte Dusche beschrieb Manuel mit „Ich habe das Gefühl mein Hirn friert ein“. An diesem Tag hätte es mich nicht gewundert, wenn meins sofort als Crushed Ice aus der Nase gefallen wäre. 
Mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages ging es dann los in Richtung Borrego Springs. Das Tal in der Wüste ist die meiste Zeit des Jahres eher unattraktiv. Im Frühjahr kommt es jedoch manchmal vor, dass die Blumen im Tal zu blühen beginnen. In diesen Jahren verwandelt sich das Tal zur touristischen Attraktion und zieht viele Amerikaner aus der Umgebung an. Bereits nach wenigen Metern hielt uns die Tankanzeige auf und nötigte uns zur nächsten Tankstelle. Nach einigen Blicken in die Bedienungsanleitung (ich habe schon mal ein Miet-Quad mit falschen Treibstoff betankt ;-)) machte sich Manuel also frohen Mutes auf zur Zapfsäule. Sein Enthusiasmus wurde von der ignoranten Tankanzeige mit wenigen Worten zu Nichte gemacht.
„Bitte geben Sie Ihren ZIP-Code an.“ 

Natürlich hatten wir keinen amerikanischen ZIP-Code, also wurden schlicht und einfach die heimischen Wiener und Leipziger Postleitzahlen ausprobiert. So leichte wollte sich die Säule leider nicht überlisten lassen und verlangte einen amerikanischen ZIP-Code. Als wir irgendeinen ZIP von Los Angeles angaben war sie ebenfalls nicht zufrieden, schließlich passte der Code nicht zur Karte. Glücklicherweise standen wie fast immer zwei hilfsbereite Amerikaner in der Nähe, die Manuel halfen, die Zapfsäule zu bezwingen und uns grundsätzlich zur Zahlung am Schalter rieten.
Auf dem Weg nach Borrego Springs sahen wir unterwegs in der Tat etliche blühende Kakteen, die wir stundenlang fotografierten. Die erhoffte Begegnung mit Klapperschlangen blieb leider aus, dafür sprangen ständig Erdhörnchen über die Straße, die zum Fotografieren leider immer zu schnell wieder weg waren. Ein Rätsel, das uns fast den gesamten Weg über beschäftigte waren die Schilder „Pedestrians xing“ oder „Riders xing“. Erst nach etlichem Gealbere kam Manuel drauf, dass das „x“ ein „cross“ darstellen soll und offenbar die Straße von Fußgängern und Reitern gekreuzt wird.   

   
Nach einiger Zeit erreichten wir einen kleinen Wanderweg, der zu einer Palmenoase führen sollte. Am Eingang trafen wir neben einer Rangerin, die uns Trinkwasser für die Wanderung mit gab und unser Schuhwerk begutachtete auch das Paar von der Tankstelle wieder. Nachdem amerikanische Wanderwege im Reiseführer häufig als Fußgänger-Autobahnen verspottet wurden, waren wir doch überrascht ob des durchaus anspruchsvollen Bergweges. Die meisten Wanderer trugen Bergschuhe, die Flip-Flop-Rate war unerwartet gering. Nach einer guten Stunde erreichten wir die Palmenoase, die einen Besuch definitiv lohnt. Auf dem Rückweg begegneten wir einem weiteren Ranger, der uns auf einige Bergschafe auf dem gegenüberliegenden Hang hinwies. Leider reichte unser mitgebrachtes Kamera-Equipment für die Entfernung nicht aus, was Manuel zum Anlass nahm, einen Tierfotografen in der Nähe anzusprechen und sich sein Objektiv zu leihen. Der gute Mann war etwas überrascht, hatte aber keinerlei Probleme damit, uns sein 600mm Teleobjektiv zu überlassen. Am liebsten hätten wir ja noch Fotos von uns mit dem Riesenteil gemacht, aber das kam uns dann doch etwas frech vor… 😀

  
Auf dem Weg zum Parkausgang wurden wir dann zum ersten Mal von einem Polizeiwagen angehalten. So richtig mit Sirene und Blaulicht – äußerst beunruhigend. Die Polizistin wies uns jedoch nur höflich darauf hin, dass wir zu schnell seien und wünschte eine gute Weiterfahrt. Schwein gehabt! 

Das nächste spannende Erlebnis hatten wir beim Einrichten unserer Telefonkarte. Dass das nicht ganz trivial ist, hatte ich noch vom letzten Amerika-Aufenthalt in Erinnerung, die Details fehlten mir allerdings mittlerweile. 

Also los, erster Anruf bei der Service-Nummer von T-mobile um eine neue Karte einzurichten.
„Herzlich Willkommen bei T-Mobile! Um eine neue Telefonkarte einzurichten brauchen wir zunächst ihren ZIP-Code.“
> Nicht das Drama wieder! Glücklicherweise akzeptierte T-Mobile den erstbesten ZIP-Code von los Angeles. 
„Als nächstes brauchen wir Ihren Aktivierungscode.“ 
> Stundenlange Suche auf der Verpackung, 2 vergebliche Versuche
„Der Code ist falsch, bitte rufen Sie später wieder an“
> Zweiter Anruf – dieses Mal mit richtigem Code vom T-mobile-Flyer in der Verpackung. 
„… Der Code passt, als nächstes benötigen wir Ihre IMEI, diese finden Sie in Ihrem Mobiltelefon unter dem Akku.“
> Anruf abgebrochen, Akku raus, IMEI angeschaut, dritter Anruf.
„… … Als nächstes benötigen wir die Nummer auf Ihrer SIM-Karte.“
> Anruf abgebrochen, Akku raus, Nummer auf SIM-Karte angeschaut, langsam dezent genervt, vierter Anruf.
„… … … Als nächstes benötigen wir Ihren Area-Code.“
> Erste Verzweiflung meinerseits – was zum Teufel ist der Area-Code?! Vorwahl von irgendeinem Hotel ausprobiert.
„Ihr Area-Code ist falsch, bitte rufen Sie später wieder an.“
> Aufkeimende Aggression, wertvoller Ansatz von Manuel: In Hollywood-Filmen fangen Telefonnummern immer mit 555 an! Fünfter Anruf, 555 als Area-Code ausprobiert.
„… … … … Ihr Area-Code ist falsch, bitte rufen Sie später wieder an.“
> Gewisse Tendenzen, das Handy einfach aus dem Fenster schmeißen zu wollen. Sechster Versuch, dieses Mal einfach mit irgendeiner ausgedachten Zahlenkombination als Area-Code.
„Herzlichen Dank, ihr Area-Code wurde akzeptiert. Für welches Tarifmodell haben Sie sich entschieden? Drücken Sie 1 für Modell x oder 2 für Modell y.“
> Wundervoll, man muss ja auch mal Glück haben. Da wir keins der Tarifmodelle kannten einfach 1 gedrückt und abgewartet. Stellte sich schon in der Aktivierungs-SMS als die falsche Wahl heraus. 

Also ein weiterer Versuch beim Kundenservice um einen Berater ans Telefon zu bekommen. Anruf sieben und acht endeten in irgendwelchen Ansagen vom Band und konnten mein Problem nicht lösen. Auch die Verweise auf eine Website sind mäßig hilfreich beim Versuch, endlich an Internet zu kommen… Eine Bekannte von mir stellte vor kurzem die Theorie auf, man müsse bei automatischen Telefonanlagen einfach immer Bockwurst antworteten, um an einen menschlichen Berater weitergeleitet zu werden. Ich habe es in diesem Fall nicht ausprobiert, trotzdem führte mich der neunte Versuch endlich zur gewünschten Beraterin, die meinen Tarif umstellen und mir innerhalb von einer Minute zum mobilen Internetzugang verhelfen konnte.

Nun ja, immer mal was neues… Unser nächstes Ziel war der Joshua Tree Park, den wir am frühen Abend erreichten. Leider waren alle Kassenhäuschen schon geschlossen, so dass wir erstmal ohne gültiges Ticket in den Park fahren mussten. Die Suche nach einem freien Campingplatz im Park blieb zwar vergeblich, dafür konnten wir uns schonmal einen schönen Eindruck vom Park verschaffen. Übernachtet wurde dann wieder wild auf einem kleinen abgelegenen Landstück auf der anderen Seite des Parks. Dass ein Auto permanent mit großem Scheinwerfer an unserem Schlafplatz vorbei patrouillierte verunsicherte uns nur anfangs. Da man uns in Ruhe ließ, machten wir es uns in Björni gemütlich und verbrachten eine außergewöhnliche Nacht. Was genau dort überwacht wurde, wissen wir bis jetzt nicht, aber offenbar hat es uns nicht betroffen. 

  

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