Joshua Trees und ganz viel Nichts

Am nächsten Tag ging es nun endlich im Hellen in den Joshua Tree Nationalpark. Nachdem wir uns bei Nacht über die vereinzelt erspähten Bäume gefreut hatten, stellten wir nun fest, dass es sich teilweise schon fast um einen Joshua Tree Wald handelte. Der Park ist absolut sehenswert, wir würden ihn immer wieder gern besuchen. Einzig einen Fehler würde ich nicht nochmal machen – auf einen Joshua Tree klettern. Entgegen meinen Erwartungen war die Rinde der Bäume fast schon flauschig weich, das Hochklettern gestaltete sich also ziemlich angenehm. Oben angekommen machte ich die erste Erfahrung mit den Blättern des Joshua Trees, leider an meiner Kopfhaut. Naja, einmal kurz aufgejault, wieder runter geklettert, nicht weiter drüber nachgedacht.

       
Nach ausgiebiger Routenplanung (wie weit ist es nun wirklich bis zum Grand Canyon und darf man hier überall nur 45 mph fahren?!) beschlossen wir, die nächste große Etappe noch am selben Tag zu fahren. Unsere Navi-App verriet uns, dass wir in 130 Meilen das nächste Mal abbiegen müssten, es ging also erstmal ein Stückchen geradeaus durch die Wüste. Völlig fasziniert von der völligen Einsamkeit und ewigen Weite der Landschaft begannen wir die Meilen zwischen den Begegnungen mit anderen Menschen zu zählen. Unser Rekord lag an diesem Tag leider nur bei etwa 5 Meilen zwischen zwei entgegenkommenden Autos, sollte später aber noch um Längen geschlagen werden. Etliche Stunden später begann dann die große Aufregung um den bevorstehenden Abbiegevorgang. Nach intensiver moralischer Vorbereitung fuhren wir sogar um mehrere Kurven – leider um die falschen. Somit konnten wir dem Bundesstaat Nevada schonmal einen verfrühten Besuch abstatten, immer in der naiven Hoffnung, bald endlich wenden zu können. Nach etlichen Manövern waren wir endlich auf der richtigen Autobahn und tuckerten weitere Stunden vor uns hin. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon eine ganze Weile Kopfschmerzen, die von Meile zu Meile schlimmer wurden. Irgendwann fiel mir dann dieser seltsame, nicht mal so kleine Splitter in meinem Hinterkopf auf. Man mag es erahnen – die Internetrecherche nach der Giftigkeit von Joshua Trees begann. Nach eingehender Beruhigung durch Tante Google zückte nun Manuel die Pinzette, popelte ein bisschen an meiner Kopfhaut rum („Huch, jetzt hast du Blut in den Haaren!“…:-/) und entfernte schlussendlich heldenhaft die abgebrochene Spitze eines Blattes. Ziemlich schmerzhafte Erfahrung – zukünftig klettere ich wieder auf Apfelbäume, das hat sich schon in meiner Kindheit bewährt! 

  
Spät in der Nacht erreichten wir dann endlich einen Campingplatz in der Nähe des Grand Canyon. Es handelt sich um unseren ersten offiziellen Campingplatz, was uns nach etlichen Bärenwarnungen für die Region nicht ganz ungelegen kam. Zudem war die Vorfreude auf die Dusche mit fließendem (hoffentlich warmem?!) Wasser unbezahlbar. Innerhalb weniger Minuten war Björni hergerichtet und voller guter Dinge für den nächsten Morgen ging es ins „Bett“.
Am nächsten Morgen ging der erste Weg zur Verwaltung des Campingplatzes, die Duschchips waren schnell geholt. Am Eingang zu den Waschräumen begegnete mir eine junge Frau mit Shampoo in den Haaren – kein gutes Zeichen! Sie erläuterte mir sichtlich entnervt, dass das fließende Wasser soeben abgeschaltet wurde, sie mir aber zum Duschen gern noch etwas von ihrem mitgebrachten kalten Wasser aus ihrem Auto abgeben könne. Voller Entsetzen ging es zurück zur Verwaltung. Auf dem Weg begegnete uns bereits die Feuerwehr, die sich gerade an einem Gullydeckel zu schaffen machte. Kurz vor der völligen Selbstaufgabe (nun gut, das ist vielleicht etwas übertrieben… ;-)) erreichte uns die frohe Nachricht, die Duschen am anderen Ende des Campingplatzes seien nicht betroffen. Dass das Wasser dann auch noch warm war, ließ unsere Laune wieder ins Unermessliche nach oben schnellen – der Tag war jetzt schon gerettet. Nach einem kurzen Frühstück, ganz klischeehaft bei Mc Donald’s, ging es dann endlich los in Richtung Grand Canyon Nationalpark.

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